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KRAFT. EMOTIONEN. DIE KRAFT DER EMOTIONEN.

Über unsere gelebten und nicht gelebten Kräfte und Emotionen.

Fremdbestimmung. Ohnmacht. Unterdrückung der eigenen Kraft. Was passiert, wenn es uns nicht erlaubt wird, die uns innewohnende Kraft zu leben? Mir wurde es nicht erlaubt, diese innere Kraft zu erfahren. Meine wurde klein gehalten. Meine Herzenswünsche und Bedürfnisse wurden völlig außer Acht gelassen. Der Großteil meines Lebens war fremdbestimmt. Alles wurde mir bis ins kleinste Detail vorgegeben. Alles, alles, alles. Pläne wurden alle für mich und nicht von mir gemacht. Nichts, rein gar nichts durfte ich selbst entscheiden, alles wurde über meinen Kopf hinweg entschieden. Ich hatte nichts zu sagen, wurde schon früh zum Schweigen gebracht. Die, die ich im Kern bin, meine Seelenessenz, wurde im Keim erstickt. Ich wollte links entlang, musste aber natürlich nach rechts. Ich wollte lila tragen, anziehen musste ich orange. Ich wollte intuitiv malen, mir aufgezwungen wurde der Kurs in Leichtathletik. Den Sandkasten, den durfte ich nur von außen betrachten, höchstens um ihn herum unter Beobachtung Unkraut jäten, nicht aber in ihm spielen, nein – das hätte zu viel Dreck gemacht. Ich wollte immer auf dem Rücken eines Pferdes sitzen, durfte es aber bloß vom Zaun aus in der Ferne beobachten. Ich wollte spielen, Kunst machen, kreativ sein, doch musste ich immer nur pausenlos leisten, leisten, leisten.

Ich hatte gelernt immer lieb und brav zu sein, hatte gelernt zu gefallen, gelernt mich anzupassen. Oh, wie angepasst mein Leben war. Anpassungsfähigkeit – diese Fähigkeit hatte ich so richtig gut drauf. So weit weg fühlte ich mich von mir, von allen Menschen, von allem Leben. Unendlich weit weg. Eine Marionette war ich. Die anderen hatten die Fäden in der Hand, konnten alles mit mir tun. Wie benutzt, ja missbraucht ich mich gefühlt hatte. So traurig, tieftraurig. Nicht nur durfte ich die Kraft, das Feuer, das Licht in mir nicht leben, nein – auch die Traurigkeit darüber, meinen Inspirationen und Impulsen nie folgen zu dürfen, durfte ich nicht ausdrücken, nicht fliessen lassen. Diese tiefe Trauer breitete sich Jahr für Jahr weiter in mir aus.

Der eigenen Kraft im Haus der Familie Ausdruck geben?
Nicht erlaubt.
Und wie schauts mit den Gefühlen aus, die akut gefühlt und gelebt werden wollen?
Auch nicht erlaubt. Die bleiben bitte alle schön drinnen.

Was passierte mit all der unterdrückten Trauer, der tiefen Traurigkeit in mir? Jede Zelle meines Körper war bis oben hin mit Tränen unausgedrückter Traurigkeit gefüllt. Die jahrelang angestauten Emotionen haben meine Körperzellen verstopft und mir meine vitale Lebenskraft genommen. Ich bin ertrunken in einem Meer der Tränen. Dieses Tränenmeer hat das Feuer in mir zum Erlöschen gebracht. Meine Kraft war weg, einfach ausgelöscht. Kraftlos, zutiefst unfähig und gelähmt fühlte ich mich. Das kraftvolle Licht in mir, es ertrank langsam und unter Qualen im Meer der Tränen, kam ums Leben.

Es fühlte sich so an als sei ich in einen Vorhang aus Tränen eingehüllt gewesen. Verstört beobachtete ich unter diesem Vorhang die nicht existente Harmonie, ja den dauerhaften Krieg in der Familie, die weder Heimat noch sicheres Zuhause für mich war. Kein Ort, an dem ich mich je geborgen und frei fühlte. Es war als bestünde mein ganzes Sein zu 95 % aus tief traurigen Tränen, die ich nie vergießen durfte.

Irgendwann war ich emotional so verstopft, dass ich mich wohl oder übel mit meinen Emotionen – von denen ich wie abgetrennt war – konfrontieren musste. Ich begann Wege ausfindig zu machen, die es mir erlaubten, meine über Jahre unterdrückten Emotionen auszudrücken, begann all die angesammelte Trauer herauszulassen – die trauer darüber, dass es mir nie gestattet war mein Wesen, die, die ich im Herzen war und bin und immer sein werde kennenzulernen und zu erfahren. Meine damalige Methode war absolut alles in mich hineinzufressen, aber irgendwann ist das Fass einfach übergelaufen. So viel emotionaler Ballast. So viel Emotion, die sich nie bewegen, nie fließen, nie zirkulieren durfte. Gewachsen bin ich damals nur im Innern, dort hatte ich mich immer weiter ausgedehnt – so weit, dass ich beinahe geplatzt bin. In der Außenwelt wurde ich begrenzt, blieb klein, ja unsichtbar.

Heute ist mir bewusst, wie enorm wichtig es ist, dass es uns erlaubt sein muss, unsere Gefühle von klein auf unmittelbar fühlen zu dürfen. Dass uns beigebracht wird, uns mit unserem emotionalen körper, mit unseren Gefühlen zu verbinden. Gefühle wollen direkt gefühlt werden. Gefühle wollen immer im Fluss, immer in Bewegung sein. Gefühle wollen auf Durchreise und nur kurz bei uns zu Besuch sein. Sie wollen sich eben nicht dauerhaft bei uns einnisten und haben auch nicht die Intention uns auf ewig zu beschweren, nein.

Ich nehme wahr, wie mein emotionaler Körper immer leichter wird, je mehr ich mich traue mit meinen Emotionen in den intimen Kontakt zu gehen, mich traue eine Emotion nach der anderen intensiv anzuschauen, anzuerkennen und zu verarbeiten. Die emotionale Schwere fällt immer mehr von mir ab. Langsam und vorsichtig geht der bedrückende Vorhang der Trauer auf – und ich kann die ursprüngliche Kraft in mir erblicken, die all die Jahre vorher dick verschleiert blieb. Je mehr diese emotionalen Altlasten von mir abfallen, desto stärker spüre ich mich mit dieser starken Kraft in mir vereint.

Für unsere gesunde Entwicklung – da bin ich felsenfest von überzeugt – ist es entscheidend, dass wir von Beginn an die Freiheit bekommen und die Möglichkeit haben unser pures Selbst spielerisch kennenzulernen und unseren ganz von Natur aus aufkommenden Interessen und Impulsen nachgehen zu dürfen. Nur so können wir uns ganz natürlich und nachhaltig gesund in unserem individuellen Naturell entfalten. Wenn es uns verboten ist unser ursprüngliches Wesen zu leben und ein Ventil für unsere Emotionen zu haben, hat das gravierende Konsequenzen: Emotionale Verstopfung. Schmerz und Leid auf allen Ebenen. Ein Mangel an Wohlbefinden und Lebenskraft. Ein Zuviel an Elend und Krankheit.

Erst jetzt, mit Abstand zu meinen Wurzeln, meinem “Zuhause”, meinem Elternhaus, erlebe ich die Freiheit und nötige Sicherheit, die es mir erlauben im geschützten Raum zu fühlen und zu entdecken, was da – unter der emotionalen Schwere – für eine starke Kraft in mir schlummert, die jetzt und auf ewig frei und ausdrucksstark gelebt werden will.


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Über unsere gelebten und nicht gelebten Kräfte und Emotionen.

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